Bioklimatische Messstation eingeweiht

Im Oktober hatten die Vereine Nordsee-Kurpark und Nordwind aus Harrislee mit Hilfe des städtischen Liegenschaftsbetriebes die auf einem vier Meter hohen Gittermast installierte Messstation im Nordsee-Kurpark aufgebaut, nun wurde sie feierlich eingeweiht. Zu den Gästen zählten neben Vereinsmitgliedern auch Professor Eckhard Leistner, Sohn von Dr. Walter Leistner, dem letzten Leiter der bioklimatischen Messstation, Wyks Bürgermeister Uli Hess und Harald Gmelin, Enkel des Sanatoriumgründers Dr. Karl Gmelin.

Vor rund zwei Jahren war der Wyker Verein mit dem Projekt „Revitalisierung des Nordsee-Kurparks“ an den Start gegangen. Von Beginn an stand nicht nur die Erhaltung der Garten- und Baudenkmäler im Fokus. Geschaffen werden sollte auch ein Ort der Begegnung, der Kunst und Kultur, der Gesundheit und der Wissenschaft in Anlehnung an das Nutzungskonzept des 1898 von Dr. Karl Gmelin gegründeten Nordsee-Sanatoriums.

1856 hatte der Hamburger Georg Weigelt die Warmbadeanstalt am Sandwall erworben und mit täglichen Messungen der Luft- und Wassertemperaturen begonnen. 1887 wurde Wyk offizielle Nebenstelle des Berliner königlich-preußischen meteorologischen Instituts. Als Gmelin das Nordsee-Sanatorium baute, begannen die Messungen im Park. 1926 wurden dann beide Messaktivitäten in der bioklimatischen Forschungsstelle gebündelt, die ab 1935 Dr. Walter Leistner leitete. Unter seiner Führung entwickelte sich die Station in über 30-jähriger Arbeit zu einer der führenden Forschungsstellen Mitteleuropas.

Zentrales Element für die Behandlung der Kurgäste im Nordsee-Sanatorium war die Klimatherapie. Basis dafür waren medizinisch-meteorologische Messungen, die anfangs täglich mit einer mobilen Station im Park und am Strand durchgeführt wurden.  Die so erhobenen Daten dienten als Basis für die Verordnungen der Luftkuren für die Patienten, wie der Nordsee-Kurpark-Vorsitzende Othmar Kyas noch einmal erläuterte. „Deshalb wollten wir den Bereich Wissenschaft und Gesundheit wiederentstehen lassen“, so Kyas, wurde die Wiedererrichtung einer bioklimatischen Messstelle eines der ersten Projektziele.

Mit der Station von einst hat die mit modernster Technik ausgestattete Konzeption nicht mehr viel gemein. Mechanische Teile sucht man vergebens.  So werden Windstärke über Schallwellen und Niederschlag mit einer speziell beschichteten Platte erfasst, über die Art und Menge des Niederschlags ermittelt werden. Schließlich wird die Luftqualität über einen speziellen Zylinder gemessen.

Die so ermittelten Daten sollen nicht nur allergiegeplagten oder atemwegserkrankten Kurgästen zugutekommen, sondern auch der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden. Der Verein ist mit dem Helmholtz-Institut in Geesthacht im Gespräch, wo Klimamodelle für Schleswig-Holstein erstellt werden. Zudem sollen die Daten künftig auf der Webseite des Vereins öffentlich verfügbar sein.

Über die Wiederaufnahme der Messungen wäre sein Vater erfreut, betonte Professor Eckhard Leistner, der sichtlich bewegt über die Fortsetzung der Arbeit seines Vaters war. Dieser hatte, so der Filius, bereits Ende der 1980er Jahre den heute Realität gewordenen Klimawandel als wahrscheinlich vorhergesagt.

„Dem Engagement des Vereins Nordsee-Kurpark und insbesondere des Vorsitzendem Othmar Kyas ist es maßgeblich zu verdanken, dass der Nordsee-Kurpark wieder mit Leben gefüllt wird“, betonte Wyks Bürgermeister Uli Hess. Dieses Engagement sowie die Kooperation mit der Stadt und die damit verbundene finanzielle Unterstützung mache es möglich, den Park in kleinen Schritten aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Dabei komme der Wiedereröffnung der bioklimatischen Messstation angesichts des Klimawandels eine besondere Bedeutung zu. Unter Einbeziehung alter Messreihen könnten Daten Auskunft geben, inwieweit sich der Klimawandel schon vollzogen habe und was dies für die Zukunft des Inselklimas auch mit Blick auf den Tourismus heißen könnte.

Die Mitglieder des Vereins Nordsee-Kurpark rief Hess auf, Motivation und Engagement beizubehalten – die Stadt werde weiterhin ihren Beitrag leisten. „Wenn wir in der Beantwortung der Frage, was der Klimawandel noch alles mit sich bringen wird, einen kleinen Beitrag leisten können, haben wir schon eine Menge erreicht.“