Wrixumer Forst ist Wald des Jahres 2025!
8. Juli 2025
Was für eine Ehre! Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) hat den Wrixumer Forst zum „Wald des Jahres 2025“ gekürt. In seiner Laudatio lobte der stellvertretende SDW-Landesvorsitzende Dr. Gerrit Friedrich Bub den Wrixumer Forst als „vorbildliche nachhaltige und naturnahe Waldwirtschaft“. 35 verschiedene Baum- und Straucharten sowie viele seltene Tiere finden im 75 Hektar großen Wald ein Zuhause. Dabei sind statistisch gesehen Wälder in Schleswig-Holstein eher Mangelware. Breitete sich in Zeiten des Mittelalters der Wald im nördlichsten Bundesland noch von Küste zu Küste aus, sind es heute nur noch elf Prozent des Landes, die mit Laub- oder Mischwäldern bedeckt sind.
„Der Forstbetriebsverband Föhr mit seinem Forstfacharbeiter Ole Sieck leistet hier im Wrixumer Forst seit Jahren großartige Arbeit, um den Wald in Zeiten des Klimawandels zukunftsfähig zu halten“, sagte Wyks Bürgermeister Uli Hess, der auch in seiner Funktion als stellvertretender Landrat an der Preisverleihung teilnahm. Neben einer Eichenplakette mit Gravur erhielt der Forst einen neuen Einwohner: Eine vier Meter hohe Amerikanische Roteiche (Quercius rubra), Baum des Jahres 2025. Dieser aus dem östlichen Nordamerika stammende schnellwachsende Baum mit einer ausladenden Krone und einer auffälligen Rotfärbung im Herbst wird bis zu 35 Meter hoch. Dr. Hark Ketelsen, Vorsitzender des Forstverbandes und Geschäftsführer des nahe gelegenen Wasserbeschaffungsverbandes Föhr (WBV) und Forstwissenschaftler Dr. Bub hatten die Ehre, die Roteiche zu den feierlichen Tönen der Jagdhornbläser einzupflanzen.
Ebenfalls bei der Auszeichnung dabei: Christfried „Dösche“ Rolufs, langjähriges Vorstandsmitglied des Forstbetriebsverbandes Föhr, der den Wald noch in seiner Jugend mit seinem Vater angepflanzt bzw. aufgeforstet hat: „Ich war damals 14 oder 15. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es hier eigentlich nur eine Landebahn aus den 1930ern und jede Menge Quäke. Erst wurde alles abgefräst, dann wurden Streifen gezogen und angefangen aufzuforsten. Über 50 Baumarten wurden gepflanzt. Vieles machten die Frauen, die flink mit den Fingern waren. Die Pflanzen kamen per Schiff aus Hamburg. Es wurde einfach geschaut, was an anwächst. Wir wussten nicht, was funktioniert und was nicht. Nie war ein Streifen gleich. Die Pflanzen hatten 70 cm-Abstände – heute nimmt man 2 Meter. Pausen wurden in Hütten aus Stroh gemacht. Alles wurde eingezäunt. Erst wurde auch Roggen gesät und später dann das wenige abgeerntet. Aber erst als später die richtigen Leute dazu kamen und auch etwas Geld, gingen die Pflegemaßnahmen richtig los.“
Forstwirt Ole Sieck achtet im Wrixumer Forst auf eine gesunde Mischung aus Laub- und Nadelbäumen: „Die intensive Mischung hatte bei den Orkanen Christian und Xaver den Vorteil, dass wir auf Föhr nur 3,5 Hektar aufforsten mussten. Auf Amrum waren es 30 Hektar.“ Große Erfolge hat der Verband in den letzten Jahren mit Küsten- und Weißtannen, die sich beide „wie ein grüner Teppich“ mit zig Tausenden Jungpflanzen ausbreiten und so zur Naturverjüngung beitragen. Nachteilhaft für den Wald seien hingegen Sandverwehungen (z.B. durch Sandaufspülungen). Die größten Schädlinge vor Ort wären Traubenkirschen und Brombeeren.
Auf einem Rundgang zeigt Ole Sieck, wie sich der Wrixumer Forst zu einem Naherholungsgebiet entwickelt hat. „Tagtäglich besuchen viele, viele Besucher den Wald“, sagt er. Am Wegesrand erblickt man immer wieder geschäftige Ameisenhügel. „Ein gutes Zeichen“, erklärt Sieck. „Ebenfalls gut ist stets das Grundwasser unter Waldgebieten“, fügt Dr. Hark Ketelsen hinzu, „dieses ist nährstoffarm und weist entsprechend ganz wenig Nitrate auf.“ Der Weg führt an einem Grubenhaus vorbei, das Kinder im Sommer 2023 unter Anleitung der Uni Kiel und des Friesenmuseums erbaut haben. Nicht weit entfernt ist der Naturkindergarten untergebracht, welcher seit 26 Jahren zum Waldkonzept hinzugehört. Neuester Anziehungspunkt ist der ca. 1 km lange Grüffelo-Pfad mit handgeschnitzten Figuren aus Thüringen und selbstgemachten Schildern.
„Wie sich der Wrixumer Forst entwickelt hat, macht mich und meine Gemeinde stolz“, sagte Wrixums Bürgermeisterin Heidi Braun. Und Ole Sieck fügte lächelnd hinzu: „In den 20 Jahren, die ich noch hier bin, wünsche ich mir, dass ich irgendwann im Wald bis nach Alkersum wandern kann.“