Ideenwettbewerb "Grenzenloses Stadterleben"

Preisgericht und Ermittlung des Gewinners des Ideenwettbewerbs "Grenzenloses Stadterleben"

1. Ausgangslage
1.1  Ablauf des Preisgerichts
2. Bericht der Vorprüfung und 1. Informationsrundgang
2.1  Informationsrundgang
2.2  Erster Rundgang
2.3  Zweiter Rundgang
2.4  Einzelbeurteilungen
2.4.1 Beurteilung der Arbeit 1107
2.4.2 Beurteilung der Arbeit 3305
2.4.3 Beurteilung der Arbeit 5503
2.4.4 Beurteilung der Arbeit 7701
3. Festlegung der Rangfolge und Verteilung der Preise
4. Weitere Bearbeitung der Aufgabe

1. Ausgangslage:

Bei dem laufenden Wettbewerbsverfahren handelt es sich um einen einstufigen, anonymen, freiraumplanerischen/städtebaulichen „Ideenwettbewerb" mit einer möglichen anschließenden, freihändigen Vergabe der Planungsleistungen. Ein Wettbewerb in dieser Vergabeart ist nur möglich, da die voraussichtliche Honorarsumme unterhalb eines durch die VOF (Verdingungsordnung freiberufliche Leistungen) festgelegten Schwellenwertes liegt.

Zweck des Wettbewerbs war es, alternative Lösungsvorschläge zu erhalten, die den unterschiedlichen Anforderungen, insbesondere der Gestaltung, Wirtschaftlichkeit, Funktionalität und Umwelt in gleicher Weise gerecht werden.

Der Planbereich ist auf die vorhandene Fußgängerzone (große Straße, Mittelstraße, Carl-Häberlin-Straße, Süderstraße sowie in Teilbereichen der Mühlen- und Wilhelmstraße) zuzüglich des Georg-Reimers-Wegs und der Neugestaltung des "Kurgartens" festgelegt.

Am 27.05.2010 fand zwischen 10.00 und 17.15 Uhr das Preisgericht für den Ideenwettbewerb "Fußgängerzone in Wyk auf Föhr / Grenzenloses Stadterleben" statt. Sitzungsort war der Sitzungssaal in der Amtsverwaltung des Amtes Föhr-Amrum. Das Preisgericht setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

  • 4 stimmberechtigten Fachpreisrichtern (externe Architekten und Vertreter der Verwaltung)
  • 4 stimmberechtigten Sachpreisrichtern (Vertreter aus Politik und örtlicher Interessenverbände);
  • 4 sachverständigen Beratern ohne Stimmrecht (Vertreter aus Politik und örtlicher Interessenverbände);
  • 6 Gästen ohne Stimmrecht (Vertreter aus Politik, Wirtschaft und örtlicher Interessenverbänden sowie der Verwaltung).

Aus dem Kreis der Fachpreisrichter wurde einstimmig Herr Dipl.-Ing. Architekt Hans-Eggert Bock aus Rendsburg zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt, der im weiteren die Leitung des Preisgerichtes übernahm.

Für den Wettbewerb wurden 7 ausgewählte Büros aufgefordert, Entwürfe einzureichen. Diese Büros sind im Zuge eines Bewerbungsverfahrens ausgesucht und um Teilnahme gebeten worden.

1.1 Ablauf des Preisgerichts:

Grundsätzlich gestaltete sich der Ablauf in der Weise, dass zunächst ein 1. Informationsrundgang durch den Vorprüfer vorgeschaltet wurde. Im Anschluss erfolgte ein 1. und 2. Wertungsdurchgang bei dem sich die Anzahl der Wettbewerbsbeiträge durch das Ausschlussprinzip schrittweise verringerte.
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2. Bericht der Vorprüfung und 1. Informationsrundgang:

Die Ergebnisse der Vorprüfung werden von Herrn Dipl.-Ing. Architekt Dieter Richter aus Kiel vorgetragen und dem Beurteilungsgremium in schriftlicher Form als Vorprüfbericht übergeben.

Von den 7 zur Teilnahme eingeladenen Büros wurden 7 Arbeiten fristgerecht eingereicht und mit neuen Kennzahlen anonymisiert.

Die Vorprüfung ergab, dass die geforderten Leistungen von allen Teilnehmern weitestgehend erbracht wurden. Es gibt jedoch unterschiedliche Bearbeitungsschwerpunkte und Bearbeitungstiefen die im Informationsrundgang erläutert werden.

Das detaillierte Ergebnis wurde jedem Jurymitglied schriftlich in Form des Vorprüfberichtes zur Verfügung gestellt.

Die Jury stellt auf der Grundlage des Vorprüfungsberichtes die Wettbewerbsfähigkeit aller Arbeiten fest und begrüßt, dass sehr unterschiedliche Lösungsansätze in Konzept und Gestaltung zur Begutachtung vorliegen.

2.1 Informationsrundgang:

Alle Beiträge werden in einem Informationsrundgang ausführlich und wertfrei durch die Vorprüfung erläutert. Dabei werden Verständnisfragen zu den Arbeiten diskutiert und mit der Aufgabenstellung bzw. dem Auslobungstext verglichen.
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2.2 Erster Rundgang:

Im anschließenden Rundgang, dem ersten wertenden Rundgang, werden die Entwürfe anhand der Beurteilungskriterien, die in der Auslobung vorgegeben und im Kolloquium bestätigt wurden, intensiv begutachtet, diskutiert und bewertet:

1. Formalleistungen:

  • Leistungs- und Programmerfüllung
  • Einhaltung der planungs- und bauordnungsrechtlichen Vorschriften

2. städtebauliche und freiräumliche Planung:

  • Grundidee
  • funktionell-gestalterische Verbindungen
  • Erschließung der Gesamtanlage
  • Verknüpfung mit vorhandenen Strukturen

3. Gestaltung

  • Freiräume, Freiflächen, Landschaft
  • Akzentuierung
  • Wegebeziehungen

4. Funktion

  • Erschließung
  • Gesamtorganisation
  • Zuordnung der Bereiche, inneres Erschließungssystem/ Verkehr, Fußgänger, Fahrradfahrer, Stellplätze
  • behindertengerechtes/barrierefreies Bauen

5. Wirtschaftlichkeit

  • baulicher Aufwand und Auswirkungen auf die Betriebs- und Pflegekosten
  • Ökologische Aspekte und Nachhaltigkeit (soweit im Rahmen eines Ideenwettbewerbs möglich)

Die Qualität der Beiträge, die sehr unterschiedlichen Entwurfsansätze und die Ausformulierung der Ideen werden vom Preisgericht gewürdigt und haben zur Folge, dass kein Wettbewerbsbeitrag im 1. wertenden Rundgang ausgeschieden wird.

Nach der Pause werden die Schwerpunkte und Zielsetzungen der Auslobung und nachfolgende elementare Parameter der Planung, entsprechend der Einführung durch den Vorsitzenden des Preisgerichts erneut zur Diskussion gestellt und bestätigt:

Elementare Parameter der Planung sind:

  1. Hohe Aufenthalts- und Gestaltqualität
  2. Material-, Grün- und Lichtkonzept
  3. barrierefrei und behindertengerecht
  4. Funktionalität
  5. Ökologie
  6. Berücksichtigung des historischen Stadtbildes
  7. Wirtschaftlichkeit - baulicher Aufwand und Auswirkungen auf die Bewirtschaftung und Unterhaltung
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2.3  Zweiter Rundgang:

Mit einer weiteren tiefergehenden, kritischen Beurteilung des Gesamtkonzeptes und der Entwurfsideen der einzelnen Arbeiten werden die Qualitätsunterschiede der Beiträge herausgearbeitet. Noch offene Einzelfragen werden in der Jury ausführlich diskutiert.

In der Folge wird der Unterschied der Entwurfsansätze gewürdigt und die besonderen Qualitäten in bezug auf die Flächengestaltung, das Nutzungs- bzw. Freiraumkonzept sowie die Realisierbarkeit herausgestellt.

Das Preisgericht beschließt nach intensiver Diskussion drei Arbeiten im 2. Rundgang auszuschließen.

Infolge dessen verblieben für die engere Wahl vier Arbeiten.

Die verbliebenen Entwürfe mussten in einem letzten Durchgang nunmehr in der Weise beurteilt und gewertet werden, so dass im Anschluss die Festlegung einer Rangfolge vorgenommen wurde.

Um zu einer hinreichenden und objektiven Vergleichbarkeit und Wertung zu kommen, beschließt das Preisgericht alle verbliebenen Arbeiten schriftlich zu beurteilen.
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2.4 Einzelbeurteilungen:

Das Preisgericht beschließt, dass alle in der engeren Wahl verbliebenen Arbeiten schriftlich beurteilt werden.

2.4.1 Beurteilung der Arbeit 1107:

Der Verfasser sieht als Leitbild „Wasserläufe" vor, die als Metapher entlang der vorhandenen Straßenräume in Richtung Nordseestrand verlaufen. Einem natürlichen Wasserlauf vergleichbar, wird die Pflasterung in der Großen Straße sowie über den Dreiecksplatz entlang der Mit-telstraße, sowie im Ostteil der Süderstraße, mäandrierend geführt. Es entstehen dadurch eine Laufzone und einen gebäudebezogene Vorzone für Sonder- und Spielnutzung, welche die Aufenthaltsqualität verbessern und zum Verweilen einladen soll. Die überaus eigenständige Verkehrswegegestaltung knüpft nicht an bauliche Vorbilder an und stellt keine Verbindung zu vorhandenen Strukturen her, was bemängelt wird.
Das mäandrierende Band entlang der Großen Straße schafft an einigen Stellen große Flächen vor den Gebäuden und im Gegenzug führt sie dicht an Hauswänden entlang. Dadurch wird die Durchführung eines Nutzungskonzeptes erschwert.
Die nord- südverlaufenden, engeren Straßenräume wie Carl-Häberlin-, Mühlen- und Wilhelmstraße, sowie die Gänge sind in ihrer Ausbildung und Struktur erhalten, was begrüßt wird.
Die Stellplätze für Fahrräder sind in kleineren Einheiten dezentral über den gesamten Planungsbereich verteilt, untergebracht.
Die Freiraumgestaltung im Bereich Bibliothek und Rüm-Hart-Schule sowie die Ausbildung des Kurgarten wirken beliebig, es entsteht kein zusätzliches Angebot. Auch die Anordnung der Sitzbänke als „Treibgut" wirkt ungeordnet.
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2.4.2 Beurteilung der Arbeit 3305:

Positiv: ortstypisches Entwurfsziel, zeitgemäße Form scheint gelungen.
Diese Zonen bilden ein gutes Gerüst für die Weiterentwicklung der Fußgängerzone. Die Großzügigkeit des „roten Teppichs" wird angenehm ergänzt durch die Bespielung der Nebenflächen.

Kritisch gesehen werden die als Zebrastreifen ausgebildeten Pflasterungen, die zu den Haus-, Geschäftseingängen führen.

Die Entfernung der Bäume wird nicht als sinnstiftend angesehen.

Die kurvenförmige Führung der Mittelstraße überzeugt, ebenso die Ausformulierung der beiden Dreiecksplätze.

Die Großzügigkeit der Fahrradabstellanlage an der Bücherei scheint angemessen, dennoch ist die Lage auf dem Schulgrundstück fragwürdig.

Die Überplanung des Kurgartenbereiches erscheint nicht schlüssig.

Widerspruch: Konzerte – Veranstaltungen.
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2.4.3 Beurteilung der Arbeit 5503:

In Anlehnung an die historischen Gegebenheiten ist eine zurückhaltende Pflastergestaltung gewählt worden, die positiv zu bewerten ist. Die gestalterischen Elemente orientieren sich an Funktionalität, Praktikabilität und Barrierefreiheit. Durch versetzen der Bäume in Verbindung mit der Austernplatte ist die Anordnung der Ausstattungselemente sinnvoll gewählt. Die Standorte der Fahrradständer sind nachgewiesen aber nicht detailliert dargestellt. Der Dreiecksplatz ist gut in die Gesamtkonzeption eingebunden. Ein Gestaltungsvorschlag des Platzes vor der Bibliothek fehlt. Zahlreiche Wasserspiele sind in der Planung vorhanden, ausreichend wäre ein Wasserspielbereich am Dreiecksplatz.
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2.4.4 Beurteilung der Arbeit 7701:

Der Entwurf orientiert sich an den historisch gewachsenen Strukturen und versucht diese durch eine zurückhaltende Gestaltung zu einem zeitgemäßen Erlebnisraum auszugestalten.

Bei dieser Gestaltung wird als prägendes Element die historische Straßenführung und Wegestruktur aufgegriffen. Es wird ein Bodenbelag in einheitlicher Farbgebung in gelb + anthrazit vorgeschlagen, der durch wenige Ausstattungselemente ergänzt wird. Durch die Wahl unterschiedlicher Steinformate werden die zentralen Geh-/ Fahrflächen von den Verweilflächen vor den Gebäuden unterscheidbar gemacht. Die Trennung dieser Bereiche erfolgt durch die Straßenentwässerungsrinnen. Die untergeordneten Straßen werden in ihrer Gestaltung beibehalten. Neben den Straßenräumen werden verschiedene Platzsituationen gestaltet und im besonderen der Dreiecksplatz in Verbindung mit dem Bereich vor der Rüm-Hart-Schule und der Bücherei.

An der Mittelstraße in Höhe des Zugangs zur Bücherei wird eine Fahrradabstellanlage geschaffen, die in Form einer Pergola-Konstruktion ausgestaltet wird. Die Pergola verdeckt einerseits den Blick auf die abgestellten Fahrräder, beschränkt aber zugleich die Blickbeziehung von Mittelstraße zur Bücherei und den dortigen Freiflächen. Ergänzt wird dieser Bereich um Kinderspielmöglichkeiten. Ferner soll der Bereich um den Glockenturm durch einen Baum gestalterisch aufgewertet werden, was jedoch nicht überzeugt. Bei der Wegeführung der Mittelstraße entlang des Dreiecksplatzes ist hervorzuheben, dass der Straßenraum so offen gestaltet ist, dass sowohl ein Verweilen auf dem Platz als auch ein Vorbeiflanieren angeboten wird.

Die Neugestaltung des Kurgartenbereichs schafft eine Sichtbeziehung zum Baudenkmal in der Mühlenstraße (Nr.: 24) sowie einen Aufenthaltsbereich mit Kinderspielmöglichkeiten, Außengastronomie und einer Fahrradabstellmöglichkeit entlang der Mühlenstraße.

Fazit:

Der Entwurf beinhaltet nur begrenzt neue Gestaltelemente, verbessert bzw. vervollständigt vielmehr die teilweise bestehenden Strukturen und Gestaltungsformen. Hinsichtlich der gewählten Farbgebung für die Oberflächen in Gelb, orientiert er sich nicht an dem historischen Ortsbild. Beim Beleuchtungskonzept des Straßenraumes sowie Platzsituationen werden einige besondere Akzente gesetzt, z. B. beleuchtete Biikestelen zur Abgrenzung von Flaniermeile Sandwall zur Einkaufstraße – Große Straße, angeleuchtete historische Gebäude und angeleuchtete Wasserrinnen am Dreiecksplatz. Ferner wird mit Reliefsteinen an historische Ereignisse/Begebenheiten angeknüpft.
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3. Festlegung der Rangfolge und Verteilung der Preise:

Für die in der Wertung verbliebenen Arbeiten wurde durch das Preisgericht unter Würdigung der Erkenntnisse zur Aufgabenstellung und den sich daraus ergebenden Qualitäten für die neue Bebauung folgende Rangfolge beschlossen:

1. Preis: Arbeit 7701
2. Preis: Arbeit 5503
3. Preis: Arbeit 3305

Nach Öffnung der Umschläge mit den Verfassererklärungen werden die Namen der Verfasser festgestellt und durch den Vorprüfer verlesen.
Danach werden die Verfasser des Planungsentwurfs mit der Kennzahl 7701, das Dr. Wagner Landschaftsarchitekten aus Kiel als Gewinner des 1. Preises ausgelobt.
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4. Weiterer Bearbeitung der Aufgabe:

Das Preisgericht gibt der Stadt Wyk auf Föhr eine schriftliche Empfehlung zur weiteren Bearbeitung. Der Auslober, die Stadt Wyk auf Föhr, beabsichtigt, unter Würdigung der Empfehlungen des Preisgerichts, einem der Preisträger weitere Leistungen zu beauftragen und zwar mindestens die Leistungsphasen 1 bis 4.

Sämtliche Wettbewerbsarbeiten werden unter Namensnennung der Verfasser öffentlich eine Woche ausgestellt, wobei auch das Preisgerichtsprotokoll ausgelegt wird.

Der Ort der Ausstellung wird im Eingangsbereich der Amtsverwaltung sein. Der Ausstellungsbeginn wird für den 14. Juni festgelegt

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© 2010 by Stadt Wyk auf Föhr letzte Aktualisierung: 01.12.2010